Verena    
Verena von    Bethmann-Hollweg

Verena

Bleistift
35,5 x 46,0 cm
Janssen-Zitat

"... Ein Auge in Falten oder im Schatten der Haare oder das eigene Auge oder die eigenen Zähne oder das ganze eigene Gesicht - in gewöhnlicher Pose für Verena und manchmal sanft und schön für diesen oder jenen aus Gründen der großen Nachfrage. Tausend Mark zahlt der Fruchtimporteur Hegewisch für eins. Ein Grund, nach Fertigstellung desselben, eine minuziöse Kopie anzufertigen für die eigene Schublade. Altersversorgung für die reiche Frau. ..."

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"6. Bilderbogen, 12.6. 81 ... Ich habe mich zerrissen + lieg zu ihren Füssen, als wär's 1 Stück Papier. Sie hat mich fertig gemacht, kaputt gemacht, klein gemacht, krank gemacht, sentimental gemacht, zum Kastraten gemacht, liebend gemacht + hassend gemacht, schlaflos gemacht, weinend vor Hilflosigkeit gemacht, lustlos gemacht. Sie hat mich irre gemacht. Sie hat mich einsam gemacht, hässlich gemacht + sinnlos gemacht. Sie hat mich arm gemacht und noch mal liebend gemacht + alt gemacht. Vor allem hat sie mich verzweifelt gemacht, und die, die ihr dabei geholfen haben, sehe ich nicht, denn ich lieg zu ihren Füssen - als wie 1 Stück Papier. ... ich liebe Verena Janssen"
Musen-Zeit

1960 heiratet Janssen Verena von Bethmann-Hollweg. Verena hat die entscheidende Wandlung vom kaum bekannten Nachwuchskünstler zum hoffnungsvollen Zeichner und Grafiker miterlebt. Die wichtigsten Stationen waren die Einzelausstellung in der Kestner-Gesellschaft in Hannover 1965 und seine Teilnahme an der Biennale in Venedig mit der Verleihung des Sonderpreises für Grafik 1968. Während der Ehe mit Verena, aus der der Sohn Philip hervorgeht, entstehen unterschiedlichste Werke: die letzten großen Farbholzschnitte, zahlreiche Radierungen, Lithografien, einige Aquarelle und vor allem Zeichnungen. Im Rückblick dominieren die, teils erotischen, "fein gestrichelten Fleisch-Zeichnungen". Janssen formt einen genuinen Stil aus, der in der Kunstwelt Furore macht. Etliche Eskapaden in diesen 60er Jahren, durch Alkohol und exzessive Ausschweifungen provoziert, prägen künftig das Bild, das die Gesellschaft von ihm hat. 1969 folgt die Scheidung.
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