Annette
Martha    
Mutter Martha an Horsts Krankenbett

Mutter Martha an Horsts Krankenbett

Radierung
23,8 x 17,8 cm
Janssen-Zitat

"Und Martha - welch seltsames Geschöpf! Impulsiv durch und durch, naiv über allem, stolz im Innersten, ehrgeizig rundum. Chaotisch hier und von immenser Statik an ihrer Nähmaschine, zärtlich und herrschsüchtig, ängstlich und unvorsichtig, Gerechtigkeit im Herzen und Ungerechtigkeit die Fülle, sowie sie ihren schönen Mund mit den Zigeunerzähnen öffnete. Eine wilde Frau von brausender Sentimentalität, was ihrer ungemeinen Schönheit den Kranz aufsetzte. Und ganz gewiss war sie ein tapferer Mensch."

"Denn meine Mutter war ja ein nervöses Hemd und schnell mit der Hand. Sie hat mich eigentlich nie gezüchtigt, aber ihre verbalen Ausfälle waren schrecklich laut und machten durchaus Angst, und eine Ohrfeige - nicht unbedingt gezielt - fiel schon immer mal dabei ab. Und das war ihre wildeste Aufführung, die ich erinnere: Derwisch, Astarte, Zerbera in einem Kostüm und nur eine winzige Enttäuschung war da drin: dass sie nicht auch noch ihre Rückhand ins Spiel brachte. ... Und in mächtiger Nachfolge dieser Schneiderin kommt es ihren Bastard noch heut so raus, wie ihr damals, wenn man mir dumm kommt."
"Ich liebte sie sehr, obwohl ich ihre Weltansicht nicht teilte. Damals noch nicht."
Musenzeit

Martha Janssen ist 37 Jahre alt, als ihr einziges Kind Horst am 14. November 1929 in Hamburg geboren wird; der Vater bleibt unbekannt. Zunächst von der Mutter versteckt, wird Horst Janssen liebevoll im Haushalt der Großeltern in Oldenburg aufgenommen. Janssen hat seine Mutter nie porträtiert, vielmehr ist es die häusliche Umgebung der Lerchenstraße 14, die er thematisiert. Mit zwölf kommt Horst Janssen in die Nationalpolitische Erziehungsanstalt in Haselünne. Nach dem Tod der Mutter 1943 wird er von deren Schwester Anna adoptiert.

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